misshappyreading

01 Oktober 2018

[Anzeige/Rezension] Guten Morgen, Genosse Elefant - Christopher Wilson
Juri Zipit ist zwölf Jahre und ein bisschen was. Juris Papa ist der Tierarzt des Hauptstadtzoos. Da lebt Juri auch. Doch in den Sommerferien passiert Unglaubliches. Plötzlich befindet sich Juri im Zentrum der Macht - mittendrin.

Als ich das Buch und vor allem den Klappentext entdeckt habe war ich angefixed. Die Inhaltsangabe hat mich sofort an ‚Den Hundertjährigen der aus dem Fenster stieg…‘ erinnert. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte um den kleinen Juri, der zum Vorkoster des Stählernen wird und ein paar Wochen im Labyrinth der Historie verschwindet, ist einfach genial!




Beginnen wir von vorne. Als erstes möchte ich den Schreibstil ansprechen (hier sei der Übersetzer Bernhard Robben sehr lobenswert erwähnt). Seit Tagen zerbreche ich mir den Kopf wie ich den Stil nennen könnte, ich habe mich für: herzlich und lebhaft entschieden *schmunzel* 

Aber Hand aus Herz, die Geschichte ist so locker und schwungvoll erzählt, ich habe gar nicht gemerkt wie ich durch die Seiten geflogen bin. Ganz großes Kino Herr Wilson/Robben.


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Der Hauptdarsteller der Geschichte ist Juri. Klein Juri stolpert sehr unbeholfen durchs Leben, aber das hat einen Grund. Er wurde nämlich mal überfahren. Deshalb ist er nicht ‚ganz richtig‘ im Kopf. Genau diese Besonderheit bringt ihm einen Posten bei Stalin höchstpersönlich ein. Vorkoster! Noch lange kein Teenager muss Juri sogar den Wodka des Staatsoberhauptes verkosten.




Juri ist mir sehr ans Herz gewachsen. Schon auf den ersten Seiten habe ich ihn lieb gewonnen, doch je mehr man seiner Geschichte lauscht, desto mehr verliebt man sich in ihn.

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Das ganze Buch ist aus Juris Sicht geschrieben, das bedeutet so manches interpretiert er eben mit seinem kindlichen und eher langsamen Verstand. Nichts scheint ihm suspekt. Und so verkehrt der kleine Mann beschwingt in den obersten Kreisen des Kommunistischen Russlands.

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Über die Geschichte will ich gar nicht zu viel verraten. Nur so viel: Ich habe so oft geschmunzelt während dem Lesen.
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Ich habe mich von der ersten Sekunde an in dieses Buch verliebt! Der Schreibstil, Juri, die Geschichte selbst – große Leseempfehlung für die regnerischen Herbsttage!

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Erscheinungsdatum: August 2018 | Verlag: Kiepenheuer&Witsch | Preis: 19,00 [D] | ISBN: 978-3-462-05076-9  | Seiten: 272 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.




27 September 2018

[Anzeige/Rezension] Geständnisse - Kanae Minato
Es soll ein Unfall gewesen sein. Doch Yuko weiß dass ihre Tochter nicht ertrunken ist. Die Vierjährige wurde ermordet. Und die Lehrerin kennt auch die Täter, zwei Schüler aus ihrer Klasse. Sie beschließt das Gesetz in ihre eigene Hand zu nehmen und entschließt sich zu einer drastischen Selbstjustiz. Doch damit fängt die Geschichte erst an.

Ich bin nur durch das Cover auf das Buch aufmerksam geworden. Ein Sprung ins Ungewisse also. Das Buch habe ich im Urlaub innerhalb von einem Tag gelesen.




Die ersten Seiten konnten mich nicht packen. Es beginnt mit einem Monolog von Yuko, mehrere Seiten lang lauscht man ihrer Ausführung, doch zum Ende hin kommt der Knall. Sie lässt die Bombe platzen. Jedes Kapitel ist ein Geständnis eines Beteiligten. Mit jeder Seite wird der Leser tiefer in die Geschichte hineingezogen.


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Jeder Charakter der Geschichte ist mir suspekt. Auch Yoko, die Mutter des ermordeten Mädchens. Teilweise sind die Gedanken regelrecht krank. Man taucht bis zu den Ellbogen in traurige Seelen ein. Ich vermute genau das bezweckt die Autorin. 

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Mit jedem Geständnis setzt sich ein Bild zusammen und man beginnt nur langsam das Ausmaß des Ganzen zu verstehen. Das Ende lies mich fast sprachlos zurück. So viel Grausamkeit auf zwischenmenschlicher Ebene. 

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Auf jeden Fall lesenswert, aber ich brauche jetzt erst mal ein Happy-Buch.
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Ein Blick in die dunklen Ecken der menschlichen Seele. Lesenswert.

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Erscheinungsdatum: Mai 2018 | Verlag: penguin | Preis: 10,00 [D] | ISBN: 978-3-328-10291-5  | Seiten: 272 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.




26 September 2018

[Anzeige/Rezension] Dann schlaf auch du - Leïla Slimani
Wie konnte es dazu kommen? Warum tötet das Kindermädchen ihre geliebten Schützlinge? Ein distanzierter Blick auf eine dunkle Geschichte.

Das Buch hat viel Aufruhr verursacht. Die Autorin wurde sehr für ihr Debüt gefeiert. Kann ich mich dem Hype anschließen?




Ja. Das Buch ist wirklich außergewöhnlich aufwühlend. Das Ende ist der Anfang. Gleich das erste Kapitel lässt einen schwer schlucken. Die Nanny eines Pariser Ehepaars tötet die beiden kleinen Kinder. Dann springt die Erzählung zum Davor.

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Die beiden Eltern suchen mit Bedacht nach einem Kindermädchen. Fleißig und liebevoll soll sie sein. Auf jeden Fall legal im Land. Schließlich vertraut man dieser Person seine Kinder an, da darf man kein Auge zudrücken. Sie finden Louise – sie ist perfekt. Nicht nur kümmert sie sich rührend um die Kinder, auch die Wohnung bringt sie auf Vordermann.

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Doch das Glück währt nicht lange, langsam schleichen sich Zweifel ein. Louise übertritt mehr als einmal eine unsichtbare Grenze zwischen Privatsphäre und Arbeit. Der Leser verfolgt alles mit angehaltenem Atem, schließlich weiß man worauf das ganze hinausläuft.

Man fragt sich: Hätte man es eher bemerken müssen? 


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Das Buch ist eine emotionale Hausnummer! Definitiv nichts für zartbeseitete-Happy-End-Liebhaber. Der Hype rührt sicher auch daher, dass dieses Thema sehr düster ist.

Geschieben ist das Buch laut Lehrbuch. Klar durchgetaktet und gewürzt mit Details. 

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Wer einen Blick in eine düstere traurige Seele sucht ist hier goldrichtig!

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Erscheinungsdatum: August 2017 | Verlag: luchterhand HC | Preis: 20,00 [D] | ISBN: 978-3-630-87554-5  | Seiten: 224 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.




11 September 2018

[Anzeige/Rezension] Königskinder - Alex Capus
Tina und Max werden nachts auf einer Passstraße in den Alpen eingeschneit, nachdem ihr Auto von der Fahrbahn rutscht. Um sich die Zeit zu vertreiben bis zum morgen und der nahenden Rettung, erzählt Max seiner Frau eine Geschichte. Die Geschichte von Jakob und Marie, die sich viele Jahre zuvor genau an diesem Ort zugetragen haben soll.


Durch Vorablesen.de bin ich auf dieses Buch gestoßen und habe es noch vor Erscheinungstermin in Händen gehalten.



Wo fange ich am besten an dieses Buch zu beschreiben? Der rote Faden sind Tina und Max. Das Ehepaar fährt einen eigentlich gesperrten Pass und muss nach einem kleinen Unfall bis zum nächsten Tag ausharren. Bis die Schneefräse sich den Berg hochgearbeitet hat vertreiben sie sich die Zeit mit einer Geschichte.

Das ist mehr oder weniger alles was es zu Tina und Max zu sagen gibt. Zu Beginn des Buches wird der Leser noch schnell abgeholt, wie die beiden sich kennengelernt haben. 

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Die eigentliche Geschichte wird von Max erzählt, nämlich die Liebesgeschichte von Jakob und Marie. Deren Geschichte umfasste einige Jahre des 18. Jahrhunderts.

Max ist, wenn man so will, ein geborener Geschichtenerzähler. Als Leser interessierte mich auch ausschließlich das was Max zu erzählen hatte. 

Immer wieder wird seine Erzählung unterbrochen von Frequenzen aus dem 'Hier und Jetzt' - nervig!   

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Tina und Max sind mir beide recht unsympatisch gewesen. Sie sind recht zickig zueinander. Das ist relativ realistisch. Das Problem für mich als Leser war dass ich beide NUR in diesem Gemütszustand kennengelernt habe. 

So habe ich jedes mal gestöhnt wenn Max gefragt hat 'Bist du noch wach?'
 
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Die Geschichte von Jakob und Marie ist sehr süß und schön erzählt. Wobei ich mich bezüglich dem Ende der ungeliebten Tina anschließen muss.
 
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Alles in allem nett. Aber nicht unbedingt lesenswert.

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Erscheinungsdatum: August 2018 | Verlag: hanser literaturverlage | Preis: 21,00 [D] | ISBN: 978-3-446-26009-2  | Seiten: 176 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.




28 August 2018

[Anzeige/Rezension] Alligatoren - Deb Spera
Südstaaten in den 20igern: Getrude, Oretta und Annie - drei Frauen die es nicht leicht haben. Sie kämpfen alle für ihre Freiheit, jede auf ihre Weise und doch gemeinsam. Die Liebe zu ihren Kindern und die besondere Freundschaft zueinander lässt sie Steine versetzen.
 

Es ist schon eine Weile her dass ich einen historischen Roman gelesen habe, also dachte ich es wird mal wieder Zeit. Der Klappentext hat mich bei diesem Roman überzeugt.




Was für eine Geschichte. Ich überstrapaziere das Wort wahrscheinlich, aber egal: KOPFKINO! In dieses Buch bin ich eingetaucht wie schon lange nicht mehr.

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Alle drei Frauen erzählen eine faszinierende Geschichte. Jede aus ihrer eigenen Perspektive. Die drei Protagonisten führen sehr unterschiedliche Leben, eine ist reich, eine ist schwarz, eine ist alt, eine wird geschlagen, zwei haben Kinder verloren, alle drei sind verheiratet. Sie sind sehr detailliert beschrieben von der Autorin und ich hatte keine Probleme mir jede von ihnen genau vorzustellen.


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Was die Autorin besonders gut macht: Sie weicht nicht vom Charakter der Person hab. Oft denkt man als Leser, wie kann sie das sagen?, wie kann so reagieren?, wie kann sie…. – doch jedes Mal fühlt sich die Reaktion für den jeweiligen Charakter realistisch an. 


Retta ist auch mein Licht in der Geschichte. Sie ist der Kitt der alle drei zusammen hält und die Brücken der Herkunft überwindet. Ihre Geschichte ist auch der herzzerreissenste für mich gewesen.
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Die Südstaaten in den 20igern sind ein tolles Setting. Es hat wirklich Spaß gemacht in diese Zeit einzutauchen. Ich war zu jeder Sekunde in der ich das Buch in Händen hielt in der Geschichte drin. Mit allen Sinnen. 

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Lobenswert erwähnen muss ich auf jeden Fall die Übersetzung. Ich kenne das englische Original nicht, doch die Art wie das deutsche Buch geschrieben ist, ist einfach toll. Es passt perfekt in die Zeit in der der Roman spielt. Das hat nicht unerheblich zu meinem Blockbuster-Kopfkino beigetragen. Also eine Runde Applaus für die Übersetzung.

Klitzekleiner Kritikpunkt ist das Cover, bzw. ein Teil des Covers. An sich finde ich es großartig, wenn das nicht der große Frauenkopf drauf wäre. Weniger ist mehr für mich.
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Eine tolle Geschichte. Wer historische Romane mag sollte dieses Buch nicht verpassen. Drei starke Frauen, die Südstaaten und die 20iger! Leseempfehlung.

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Übrigens erinnert mich das Buch an ein anderes richtig tolles Buch das ich vor ein paar Jahren gelesen habe:

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Erscheinungsdatum: September 2018 | Verlag: harper collins germany | Preis: 18,99 [D] | ISBN: 978-3-9596-7788-2  | Seiten: 376 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.