misshappyreading

13 August 2018

[Anzeige/Rezension]   Der Tätowierer von Auschwitz - Heather Morris
1942 - Eine wahre Geschichte, über eine Liebe die an einem Ort entsteht der grausamer nicht sein könnte - im KZ Ausschwitz. Lale Sokolov wird in ein KZ deportiert und erhält den Job des Tätowierers
 
Das Buch hat mich sofort angesprochen. Bücher die auf wahren Begebenheiten basieren interessieren mich immer besonders. Vor allem das Thema zweiter Weltkrieg ist immer wieder aufrührend. Es erschreckt mich immer noch, zu was die Menschen damals fähig waren.







Eigentlich kann ich gar nicht viel über das Buch sagen, außer: Ihr müsst es lesen! Die Geschichte von Lale hat mich tief berührt. Auf den ersten Seiten kommt der Slowake in Ausschwitz-Birkenau an und alleine diese Ankunft hat mir das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ich habe genügend Dokumentationen gesehen um ein klares Bild dieser geschilderten Szene vor mir zu haben.

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Was die Geschichte für mich sehr besonders gemacht hat, war der Lebenswille der Menschen. Sie befinden sich an einem der schlimmsten Orte die die Menschheit hervorbringen konnte. Sie beweisen große Nächstenliebe in dem Lager, in dem die Menschlichkeit bei den 'Deutschen' völlig fast ausnahmslos verloren gegangen ist. Lales Geschichte ist dennoch unglaublich Lebensbejahend. 


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Ich bin durch die Seiten geflogen, berührt von der Erzählung. Das schönste ist, Lale Sokolov hat der Autorin seine Liebesgeschichte erzählt, nicht seinen Leidensweg im KZ. Nach der letzten Seite bin ich unheimlich froh das jemand seine Geschichte erzählt hat. 

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Welche Frage liegt mir nach der letzten Seite auf der Seele:
Würdest du alles tun um zu überleben?

Ja, das ist eine schwere Frage. Lale entscheidet sich lieber für die Nazis zu arbeiten, als zu sterben. Ich denke ich hätte mich genau so entschieden. Trotz seiner Entscheidung verliert er nicht seine Menschlichkeit, er tut was er kann um zu helfen, aber auch um zu überleben. Ich denke das ist eine natürliche Reaktion. Zu hoffen bleibt dass wir uns alle am Ende für die Menschlichkeit entscheiden.

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Eine berührende Liebesgeschichte, die an einem Ort entspringt der schlimmer nicht sein könnte. Sehr sehr lesenswert! Kann ich absolut jedem empfehlen.

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Erscheinungsdatum: August 2018 | Verlag: piper | Preis: € 16,00 [D] | ISBN: 978-3-492-06137-7  | Seiten: 304 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.




27 Juli 2018

[Rezension] Das Paar aus Haus Nr. 9 - Felicity Everett
Die neuen Nachbarn üben eine Faszination aus auf Sarah. In die neu gewonnene Freundschaft schleicht sich Eifersucht ein, auf das modäne Leben der weltgewandten Nachbarn. Doch wie so oft trügt der Schein.



Das Buch war eine absolute Cover Entscheidung. Mich hat die Vorstadt-Düsternis sofort angesprochen.


Ehrlicherweise habe ich sehr zu kämpfen gehabt mit dem Buch. In den ersten Kapiteln zieht ein neues Paar ins Nachbarhaus. Wie ein Schulmädchen lässt sich Sarah sehr beindrucken von dem Künstler Paar. Was sie früher als abgewohnt bezeichnet hätte, empfindet sie plötzlich als Vintage und stilsicher. Ihr eigenes Leben wirkt auf sie von einem Moment auf den anderen farblos, langweilig und spiesig.

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Soweit so gut. Es ist im ersten Moment interessant zu lesen wie Sarah eine Kehrtwende macht. Sie fühlt sich als hauchen ihre neuen Freunde ihnen wieder Leben ein. Ihre 'alten' Freunde sind plötzlich schrecklich fade

Doch dann wird die Erzählung schnell sehr schleppend. Es passiert bis zu den letzten 20 Seiten nichts weiter, als dass die beiden Paare sich anfreunden, sich die ersten Risse in der Freundschaft bilden (durch die extreme Nähe), Eifersucht Einzug hält (Sarah beneidet Lou um absolut alles) und aus Faszination etwas wie Hass wird.  

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Auch auf den letzten 20 Seiten passiert nicht was den Leser erstaunen könnte. Jede Entwicklung ist absehbar, bzw die eine die die Autorin präsentiert. Und da liegt der Hund begraben für mich. 

Es ist ein interessantes Thema, neue Freundschaften und Eifersucht.... aber für gute Leseunterhaltung hätte ich deutlich mehr gebraucht. Mehr Intrigen, tiefergreifender Hass, Affären, .... dramatische Entwicklungen. 

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Witzigerweise kann ich mir das Buch sehr gut als künstlerischen Film vorstellen. Vielleicht ist das eine der wenigen Geschichten die auf der Leinwand besser funktioniert hätte. Auf jeden Fall hätte die Story in 1,5 Stunden locker erzählt werden können.

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Eifersucht ist ein spannendes Thema, daher 3 Fakten dazu:
  • 98% aller Menschen kennen das Gefühl von Eifersucht
  • Autistische Menschen können keine Eifersucht empfinden
  • Tiere können auch eiversüchtig sein, vor allem Katzen (ohhhhh toll! :P)
 Quelle

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Welche Frage liegt mir nach der letzten Seite auf der Seele:
Wie würde ich auf solche neue Freunde reagieren?

Ich bin mir sicher, nicht so wie Sarah. Ich finde sie ist von vornherein wie ein Fähnlein im Wind wie man so schön sagt, sie hat zwar eine eigene Meinung, schafft es aber nicht diese auszusprechen. In der Hinsicht bin ich ganz anders als sie und daher auch sicher dass ich lange nicht so schnell beeindruckt bin.

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Zu langweilig für mich. Es passiert schlichtweg nichts. Nur ein kleiner Ausschnitt aus einem mittelmäßigen Vorstadtleben. Kann ich leider nicht empfehlen.

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Erscheinungsdatum: Juni 2018 | Verlag: HarperCollins Germany | Preis: 8,99 [D] | ISBN: 978-3-9596-7776-9 | Seiten: 416 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.




24 Juli 2018

[Anzeige] Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden - Genki Kawamura
Der Titel des Buches ist Programm. Was wenn der Tod einem gegenübersteht und einen Deal anbietet? Ein Tag Leben, gegen das Verschwinden unterschiedlicher Dinge. Was wenn seine Wahl auf Katzen fällt?

Als Katzenmama musste ich dieses Buch einfach lesen. Ich habe ja ein Faible für lange Buchtitel. Aber nicht nur der Titel sondern auch das Cover haben mich auf das Buch aufmerksam gemacht.





Tja ich will ehrlich sein. Ich habe mehr erwartet. Viel mehr.

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Was habe ich an dem Buch auszusetzten? Denn die Geschichte ansich, nennen wir es mal die Idee, fand ich unglaublich toll. Ich finde sie tatsächlich immer noch toll.


Mit dem Buch habe ich schwer getan auf Grund der Schreibweise. Man sollte nicht unerwähnt lassen, dass dieses Werk ursprünglich auf japanisch erschienen ist. Das soll kein Vorwurf an die Übersetzung sein, aber ich fürchte bei so etwas geht oft ein bisschen 'Zauber' verloren.

Um meine Beanstandung zu konkretisieren: Die ganze Geschichte hat sich sehr aufgesetzt gelesen. Gestelzt, um es mit anderen Worten auszudrücken. Die Geschichte las sich eher wie ein Theaterstück, ohne eins zu sein.    

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Das Grundkonstrukt der Geschichte ist grandios. Das kann ich nicht anders sagen. Allein das Gedankenspiel 'Was würde passieren?' - besonders als Katzenmama (ja so nenne ich mich) war das sehr interessant. 

Wenn man den Gedanken weiterspinnt ist es ein sehr interessantes Thema, welches sicher zu langen Diskussionen bzw. Unterhaltungen führen kann. Das Tierarten aussterben passiert jährlich - das juckt kaum jemanden. Wir bekommen es nicht mal mit. Doch wenn 'Haustiere' betroffen sind ist es etwas anders....
  
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Diesesmal keine richtigen Fakten, sondern nur ein Gedankenspiel von mir. Welche drei Dinge die ich täglich nutze würde ich ohne zu zögern verschwinden lassen wenn der Teufel vor mir steht?
  • klassisches Besteck - ich kann auch mit Stäbchen essen
  • Post-It's - dann wäre mein Schreibtisch endlich mal augeräumt
  • Zucker - einfach weil ich glaube eine Welt ohne Zucker wäre deutlich besser für uns alle!
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Welche Frage liegt mir nach der letzten Seite auf der Seele:
Würde ich Katzen 'opfern'?

No way! Wie gesagt. Katzenmama.

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Kann man lesen, muss man nicht. Mir war die Geschichte ein wenig zu affektiert und sehr vorhersehbar. Die Idee fand ich allerdings super.

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Erscheinungsdatum: April 2018 | Verlag: C.Berteslmann | Preis: € 18,00 [D] | ISBN: 978-3-570-10335-7  | Seiten: 192 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.




03 Juli 2018

[Anzeige] Nicht weg und nicht da - Anne Freytag
Luises Bruder begeht Selbstmord. Für ihn war es wohl die Erlösung, für Luise beginnt die Hölle auf Erden. Bis sie eine E-Mail erhält, eine E-Mail von ihrem toten Bruder. Er will richtig von ihr Abschied nehmen und schickt sie hinaus in die Welt.
 

Kennt ihr sympathische Autoren? Ich denke da sofort an Anne Freytag. Sie ist (auch offline) unglaublich sympatisch. Ich habe sie auf Lesungen (sie hat vorgelesen als auch im Publikum gesessen) getroffen und auf Verantaltungen (Lit.Love) - Anne Freytag schreibt nicht nur mit viel Herz, sie lebt auch für ihre Leser.




Die Geschichte ist einfach herzzerreißend. Anders kann man das nicht sagen. Ich möchte mir nicht vorstellen wie es sein muss ein Familienmitglied auf diese Weise zu verlieren. Besonders für die Hinterbliebenen stellt sich immer die Frage, was hätte man tun können? Hätte man es nicht verhindern müssen?

Luise geht es genau so. Sie hört mehr oder weniger auf zu leben. Die Therapie hilft nicht viel. Die beste Freundin lebt in einer anderen Stadt. Sie ist quasi alleine. 
 
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Der Gedanke von 'Toten' Nachrichten zu bekommen ist natürlich nicht neu. 'PS Ich liebe dich' dürfte ja allen bekannt sein. Dies ist quasi die 'Jugendliche' Version davon. Es folgt dem bekannten Muster, es vergehen ein paar Wochen, dann kommt die erste Nachricht verbunden mit Aufgaben. 


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Da es ein Jugendbuch ist darf natürlich nicht die Liebe fehlen. Und hier wählt die Autorin einen 'starken und melancholischen Ritter', der Luise helfen wird. 

Das Buch ist selbst wie ein melancholisches Lied, es gibt keine großen Höhepunkt, keine dramatische Wendung, keine unglaublich großen Missverständnisse. 
Das hat mir gefallen. Es muss nicht immer 'dramatisch' sein. 

Die Geschichte erzählt einen realistischen Ausschnitt aus dem Leben zweiter Jugendlicher die es beide nicht einfach haben.  
 
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Was ich auf keinen Fall unerwähnt lassen darf ist die Aufmachung des Buches! Es ist einfach so liebvoll gestaltet worden. Mit Playlist, kleinen Illustrationen und einem wunderschönen Umschlag. Ein echtes Schmuckstück!

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Drei Fakten zum Thema Suizide in Deutschland:
  • ca. 10.000 Menschen entscheiden sich jährlich für Suizid in Deutschland (Quelle)
  • ca. 10x so viele Menschen begehen jährlich den Versuch sich das Leben zu nehmen (also ca. 100.000) (Quelle)
  • Die Selbstmord rate steigt deutlich bei älteren Menschen (ab dem 60ten Lebensjahr) (Quelle)
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Welche Frage liegt mir nach der letzten Seite auf der Seele:
Ist es gut dieses Thema zu 'thematisieren'?

Klare Antwort ja. Aber mit Vorbehalt. Als ich mich nach dem Buch mit dem Thema Selbstmord beschäftigt habe wurde mehr als einmal auf den Wether-Effekt hingewiesen. Der Wether-Effekt tritt ein wenn durch 'extreme' Medienaufmerksamkeit die Zahl der Selbstmorde ansteigt, dies ist in direktem Zusammenhang zu sehen (Wikipedia)
Bestes Beispiel 'Totet Mädchen lügen nicht' - jeder kennt die Netflix Serie. Auch ich habe sie angesehen, im Buch wird die Serie auch erwähnt, der bekannteste Song daraus ist eins von Luise und Jakobs' Lieblingsliedern.
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte forderte die Einstellung der Serie, aufgrund von akuter Nachahmungsgefahr. 

Ein Zitat aus dem Ärzteblatt:

Tatsächlich waren in den 19 Tagen nach der Veröffentlichung der Serie die Suchanfragen zu den Begriffen „Selbstmord“ um 19 Prozent höher als im Zeitraum zuvor.

Worauf ich damit hinaus möchte, besonders in Verbindung zu diesem Buch? 
Das Buch ist nicht für jeden. Auch wenn es von Jugendlichen handelt, sollte man es auf keinen Fall labilen Jugendlichen geben. Ja, letzten endes handelt es von Luise und wie sie zurück ins Leben findet. Denoch wird der Sebstmord ein wenig 'romantisiert'.   

Das tut dem Leseerlebnis keinen Abbruch, ich möchte nur darauf hinweisen :) 

Mich würden übrigens sehr eure Meinungen zu dem Thema interessieren. Lasst mir gerne einen Kommtar da. 

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Ein tolles Buch: wahnsinnig gut geschrieben, melancholische und liebenswerte Charaktere, eine ruhig erzählte Geschichte.

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Anne Freytag hat schon einige Bücher geschrieben, auf dem Blog habe ich bisher nur eins rezensiert. Wer es noch nicht kennt sollte auf jeden Fall mal rein blättern!
 
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Erscheinungsdatum: März 2018 | Verlag: heyne fliegt | Preis: € 16,00 [D] | ISBN: 978-3-453-27159-3   | Seiten: 480 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.