misshappyreading: manesse
Posts mit dem Label manesse werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label manesse werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

12 März 2021

[Presseexemplar] Farm der Tiere - George Orwell
Old Major schwingt kurz vor seinem Tod eine ergreifende Rede. Eine Revolution stehe kurz bevor, ein Aufstand der Tiere gegen den Alkoholiker-Farmer Mr Jones. Und plötzlich wird es wahr, die Farm der Tiere. Doch zu was die selbst erkämpfte Demokratie verkümmert merken die Tiere erst zu spät. „Alle sind gleich, aber manche sind gleicher.“ 

Viel besungen dieser Klassiker. Erschienen im Original 1945. Eine politische Parabel die sich noch immer großer Beliebtheit erfreut. Wie für viele andere waren mir Autor als auch Buch bekannt, aber gelesen hatte ich es noch nicht.


Als ich das Buch in den Neuerscheinungen des Manesse Verlags entdeckt habe war ich instantly in das Cover verliebt. Es ist großartig wenn 'Klassiker' auch auf diese Weise neues Leben eingehaucht wird. Und ganz der Bücherwurm: Lesebändchen ist auch immer besonders toll. 

***

Aber über dieses Buch gibt es so viel mehr zu sagen als das oberflächliche Äußere. 

Ursprünglich erschienen 1945 denkt man selbstverständlich direkt an das Hitler oder Stalin wenn man von dem Schwein Napoleon liest, der nach und nach aus einer Demokratie eine Diktatur formt.
Doch man muss heute gar nicht so weit in die Vergangenheit gehen. Diktaturen sind leider auch heute noch existent und basieren auf ähnlichen Grundpfeilern. 

Mit einem Schmunzeln, weil es Tiere sind, und mit Schrecken, weil einem klar ist dass es genauso gut Menschen sein könnten, verfolgt der Leser das Schicksal der Farm.

Sogar einen Staatsfeind No 1 gibt es. Einen Edward Snowden der Tiere. 

***

Nachdem ich das Buch gelesen habe verstehe ich warum es ein Klassiker ist. Warum es noch heute in jeder Buchhandlung ausliegt und auch warum es oft als Schullektüre genutzt wird. 

Ähnlich wie bei dem Buch 'Die Welle' (unter anderem meine Schullektüre) erlebt der Leser hautnah wie eine gefährliche Dynamik entstehen kann und eine Farm (oder Land) in blinden Gehorsam stürzen kann.  

***

Zurecht ein Klassiker und leider immer noch aktuell.

***

Erscheinungsdatum: Jan 2021 | Verlag: manesse Preis: € 18,00 [D] | ISBN: 978-3-7175-2518-9 | Seiten: 192 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.



24 August 2018

[Anzeige/Rezension] Thomas der Schwindler - Jean Cocteau
Thomas wird für den Neffen eines Generals gehalten, ein unschuldiges Missverständnis, doch der Träumer klärt die Situation nicht auf. Er stürzt sich in ein Abenteuer: der Erste Weltkrieg. Bald schon zieht er mit einem seltsamen Haufen an Selbstdarstellern und anderen Träumern an die Front, wo Wirklichkeit und Traum aufeinander prallen.

Das Cover des Buches hat mich gleich begeistert. Der Manesse-Verlag veröffentlichte eine Neuübersetzung des Buches, welches ursprünglich 1923 erschien.




Zuerst einmal muss ich die Optik des Buches erwähnen: I’m in love! Das Büchlein ist eine kleine handliche Hardcover Ausgabe mit farbigen Lesebändchen sowie Umschlag. Einige ‚Klassiker‘ sind auf diese Art neuübersetzt/gestaltet worden – ihr solltet euch auf jeden Fall ‚Frankenstein‘ ansehen (ES IST PINK!). Volle Punktzahl für die Optik.

***

Zum Buch selbst – seid euch bewusst das es 1922 geschrieben wurde. Das damalige Publikum kam quasi frisch aus dem Krieg. Der Autor verzichtet größtenteils auf detaillierte Beschreibungen der Landschaft oder Umstände. Auch schildert er den Krieg von seiner absurden Seite. Die Charaktere sind keine Kriegshelden, erringen keine besonderen Siege oder erleben auch nur annähernd die Dinge, die man in einem Buch über den Krieg erwartet.


***

Der Schwindler selbst ist ein Jungspund, der in kindlicher Manier durch das Kriegsgeschehen stolpert als wäre es ein Räuber-und-Gendarm Spiel, die Prinzessin die den Trupp befehligt sieht im Krieg eine Bühne die auf ihren Auftritt wartet, der Doktor der Geschichte macht nichts lieber als seine Mitarbeiter zu hypnotisieren.

All die Figuren sind knapp geschildert und nur grob für den Leser skizziert. So geht die Fantasie ihre eigenen Wege. Trotz Kriegsschauplatz ist der ganze Roman fröhlich erzählt, da die Protagonisten den Krieg kaum als das wahrnehmen was er ist. Kekse, Theaterstücke, quasi Front-Urlaub, direkt an der Front. 



***

Im Roman mischt sich die Inszenierung mit der Realität, gleiches gilt für den Roman selbst, denn Jean Cocteau inszenierte mit Thomas nicht nur eine Fantasiegestalt, sondern auch ein wenig Selbstbildnis. Cocteau meldete sich freiwillig für die Front, wurde allerdings ausgemustert. So beschloss er auf eigene Faust einen Krankentransport für Verwundete ins Leben zu rufen. Jean Cocteau stolzierte daraufhin mit goldener Fantasieuniform durch Frankreich um den Menschen seine Wichtigkeit im Krieg vorzuhalten.


***

Zu Beginn wirkte der Roman ein wenig als handle es sich um eine Rohfassung, deren Vollendung noch aussteht. Allerdings liest man sich nach einer Weile in die abgehackten Sätze ein.
***

Erster Weltkrieg einmal anders. Kekse und Theater an der Front. Wer braucht schon Realität wenn die Fantasie so viel spannender ist?

***

Erscheinungsdatum: April 2018 (Original 1923) | Verlag: manesse | Preis: 20,00 [D] | ISBN: 978-3-7175-2420-5  | Seiten: 192 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.