[Anzeige] Nicht weg und nicht da - Anne Freytag - misshappyreading

03 Juli 2018

[Anzeige] Nicht weg und nicht da - Anne Freytag

Luises Bruder begeht Selbstmord. Für ihn war es wohl die Erlösung, für Luise beginnt die Hölle auf Erden. Bis sie eine E-Mail erhält, eine E-Mail von ihrem toten Bruder. Er will richtig von ihr Abschied nehmen und schickt sie hinaus in die Welt.
 

Kennt ihr sympathische Autoren? Ich denke da sofort an Anne Freytag. Sie ist (auch offline) unglaublich sympatisch. Ich habe sie auf Lesungen (sie hat vorgelesen als auch im Publikum gesessen) getroffen und auf Verantaltungen (Lit.Love) - Anne Freytag schreibt nicht nur mit viel Herz, sie lebt auch für ihre Leser.




Die Geschichte ist einfach herzzerreißend. Anders kann man das nicht sagen. Ich möchte mir nicht vorstellen wie es sein muss ein Familienmitglied auf diese Weise zu verlieren. Besonders für die Hinterbliebenen stellt sich immer die Frage, was hätte man tun können? Hätte man es nicht verhindern müssen?

Luise geht es genau so. Sie hört mehr oder weniger auf zu leben. Die Therapie hilft nicht viel. Die beste Freundin lebt in einer anderen Stadt. Sie ist quasi alleine. 
 
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Der Gedanke von 'Toten' Nachrichten zu bekommen ist natürlich nicht neu. 'PS Ich liebe dich' dürfte ja allen bekannt sein. Dies ist quasi die 'Jugendliche' Version davon. Es folgt dem bekannten Muster, es vergehen ein paar Wochen, dann kommt die erste Nachricht verbunden mit Aufgaben. 


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Da es ein Jugendbuch ist darf natürlich nicht die Liebe fehlen. Und hier wählt die Autorin einen 'starken und melancholischen Ritter', der Luise helfen wird. 

Das Buch ist selbst wie ein melancholisches Lied, es gibt keine großen Höhepunkt, keine dramatische Wendung, keine unglaublich großen Missverständnisse. 
Das hat mir gefallen. Es muss nicht immer 'dramatisch' sein. 

Die Geschichte erzählt einen realistischen Ausschnitt aus dem Leben zweiter Jugendlicher die es beide nicht einfach haben.  
 
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Was ich auf keinen Fall unerwähnt lassen darf ist die Aufmachung des Buches! Es ist einfach so liebvoll gestaltet worden. Mit Playlist, kleinen Illustrationen und einem wunderschönen Umschlag. Ein echtes Schmuckstück!

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Drei Fakten zum Thema Suizide in Deutschland:
  • ca. 10.000 Menschen entscheiden sich jährlich für Suizid in Deutschland (Quelle)
  • ca. 10x so viele Menschen begehen jährlich den Versuch sich das Leben zu nehmen (also ca. 100.000) (Quelle)
  • Die Selbstmord rate steigt deutlich bei älteren Menschen (ab dem 60ten Lebensjahr) (Quelle)
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Welche Frage liegt mir nach der letzten Seite auf der Seele:
Ist es gut dieses Thema zu 'thematisieren'?

Klare Antwort ja. Aber mit Vorbehalt. Als ich mich nach dem Buch mit dem Thema Selbstmord beschäftigt habe wurde mehr als einmal auf den Wether-Effekt hingewiesen. Der Wether-Effekt tritt ein wenn durch 'extreme' Medienaufmerksamkeit die Zahl der Selbstmorde ansteigt, dies ist in direktem Zusammenhang zu sehen (Wikipedia)
Bestes Beispiel 'Totet Mädchen lügen nicht' - jeder kennt die Netflix Serie. Auch ich habe sie angesehen, im Buch wird die Serie auch erwähnt, der bekannteste Song daraus ist eins von Luise und Jakobs' Lieblingsliedern.
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte forderte die Einstellung der Serie, aufgrund von akuter Nachahmungsgefahr. 

Ein Zitat aus dem Ärzteblatt:

Tatsächlich waren in den 19 Tagen nach der Veröffentlichung der Serie die Suchanfragen zu den Begriffen „Selbstmord“ um 19 Prozent höher als im Zeitraum zuvor.

Worauf ich damit hinaus möchte, besonders in Verbindung zu diesem Buch? 
Das Buch ist nicht für jeden. Auch wenn es von Jugendlichen handelt, sollte man es auf keinen Fall labilen Jugendlichen geben. Ja, letzten endes handelt es von Luise und wie sie zurück ins Leben findet. Denoch wird der Sebstmord ein wenig 'romantisiert'.   

Das tut dem Leseerlebnis keinen Abbruch, ich möchte nur darauf hinweisen :) 

Mich würden übrigens sehr eure Meinungen zu dem Thema interessieren. Lasst mir gerne einen Kommtar da. 

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Ein tolles Buch: wahnsinnig gut geschrieben, melancholische und liebenswerte Charaktere, eine ruhig erzählte Geschichte.

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Anne Freytag hat schon einige Bücher geschrieben, auf dem Blog habe ich bisher nur eins rezensiert. Wer es noch nicht kennt sollte auf jeden Fall mal rein blättern!
 
mehr 

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Erscheinungsdatum: März 2018 | Verlag: heyne fliegt | Preis: € 16,00 [D] | ISBN: 978-3-453-27159-3   | Seiten: 480 Seiten | Sprache: Deutsch

Dies ist ein Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung.




Kommentare:

  1. Hallo :)

    Über das Buch bin ich jetzt schon desöfteren gestolpert, deshalb musste ich mir jetzt endlich mal durchlesen, worum es geht. Dem Thema "Suizid" stehe ich spätestens seit dem Hype um "13 Reasons Why" sehr kritisch gegenüber, denn wie Suizid in dem Buch (resp. der Serie) glorifiziert und vor allem falsch dargestellt wird, fand ich mehr als bedenklich - vor allem wenn man bedenkt, wer die Zielgruppe sein soll.
    Als ich das mit den Briefen eines Toten gelesen habe, musste ich auch sofort an 13 Reasons Why denken, habe dann aber erleichtert festgestellt, dass "Nicht weg und nicht da" scheinbar in eine ganz andere Richtung geht. Und schwupps, war bei mir sofort der Vergleich zu "P. S. I love you" gekommen. Aber gut, dass du die Ähnlichkeit selbst erwähnst :D

    Deine Rezi macht auf jeden Fall sehr neugierig und ich werde das Buch noch genauer anschauen. Positiv finde ich auch deine Erwähnung über Suizid-Zahlen in Deutschland und den Werther-Effekt, das zeigt, dass dich die Thematik nicht kalt gelassen hat. :)

    Liebe Grüsse und einen schönen Sonntag ♥
    paperlove von between the lines.

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    1. Hallöchen :)
      ja die Parallen waren auf jeden Fall da, zur Serie als auch zum Film. Ich finde es super wichtig sich mit so einem Thema auseinander zu setzen.
      Ich bin gespannt wie dir das Buch gefällt.
      Am besten schaue ich gleich mal auf deiner Seite vorbei ;)
      Liebe Grüße
      Nadine

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  2. Huhu Nadine,
    danke für diesen tollen Post. Ich habe das Buch auch hier und bin nun noch gespannter auf die Geschichte. Die Thematik ist wirklich gut von allen Seiten zu betrachten und ich finde es toll, dass du es hier auch noch so differenziert und reflektiert erwähnst. Häufig wird es einfach so abgetan und die Tatsache, dass die Thematisierung wichtig ist, ist kein Freifahrtsschein die Folgen dabei außer acht zu lassen, oder?
    Liebe Grüße, Petra

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    1. Danke dir Petra, ich stimme dir voll zu. Man sollte das Thema auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen!
      Fühl dich gedrückt.
      Nadine

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