[Rezension] Djihad Paradise - Anna Kuschnarowa - misshappyreading

29 September 2015

[Rezension] Djihad Paradise - Anna Kuschnarowa


bibliographische Angaben

Erscheinungsdatum: September 2013
Verlag: Beltz&Gelberg
Preis: € 14,95 [D]
ISBN: 978-3-407-81155-4
Seiten: 416 Seiten
Sprache: Deutsch



Berlin Alexanderplatz: Julian Engelmann alias Abdel Jabbar Shahid betritt eine Shoppingmall. Er trägt einen Sprengstoffgürtel und ist bereit, sich und all die dreckigen Kuffar (die Ungläubigen) auszulöschen. Da ruft jemand seinen Namen. Julian kennt die Stimme. Er hält inne und erinnert sich. An seine große Liebe Romea, die Zeit vor dem Terrorcamp und warum sich Romea irgendwann von ihm abwandte. Doch Julian ist sich seiner göttlichen Mission sicher. Oder nicht? Für Zweifel ist es längst zu spät ... (Klappentext)

Die Geschichte beginnt wie moderne Liebesgeschichten. Zwei Teenager die sich unsterblich ineinander verlieben. Romea ist die Musterschülerin, die plötzlich lieber Zeit mit Julian verbringt als zu lernen. Julian der nichts tut als zu rappen und zu kiffen möchte sein Leben auf einmal in den Griff bekommen. Gemeinsam möchten sie in ein neues Leben starten. Doch dann muss Julian in den Knast – und alles wird anders.

Erschreckend ist die „Normalität“ zum Beginn der Erzählung. Normale Teenager. Normale Ansichten. Normale Geschichte. Bis der Cut kommt.
Ab dem Moment als Julian aus der Haft entlassen wird habe ich beim Lesen den Atem angehalten. Der weitere Weg von den beiden ist so erschreckend, so fesselnd, so beängstigend.
Das Schlimmste daran: Man spürt wie aussichtslos ihre Situation sich anfühlen muss.

Die ganze Geschichte ist gespickt mit falschen Entscheidungen, Gehirnwäsche, fanatischer Faszination und einem Hoffnungsschimmer. Es ist die Suche nach einem Zuhause für verlorene Jugendliche. Es fällt mir nicht schwer mir vorzustellen das solche Geschichten tatsächlich passieren. Und genau diese Vorstellung erschreckt mich!

Mir fiel es von Anfang an leicht das Buch zu lesen. Romea und Julian sind interessante und unterschiedliche Charaktere. Sie vereinen viele Klischees die man in der „Unter- und Mittelschicht“ Berlins erwartet, ohne aus dem Buch ein „Klischee“ zu machen.

Die Namen finde ich übrigens toll gewählt für die Geschichte!

Die Autorin schreibt in einer jugendlich frivolen Sprache, was teilweise im Kontrast zu einem ernsten Thema steht. Doch genau das macht einen großen Teil der Faszination der Geschichte aus. Wir erleben es auch Julians Sicht, aus Romeas Sicht, und sie denken wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.
Das Ende hat mich sehr emotional zurück gelassen. Und mit jeder gelesenen Seite die Vorstellung, das muss nicht Kontinente entfernt passieren, das könnte sich vor der eigenen Haustüre abspielen.

Ein aufwühlendes Buch welches einen erschrocken und ein wenig verängstig zurück lässt. Auf jeden Fall lesenswert!

Für mein Leseexemplar möchte ich mich ganz herzlich bei Belz&Gelberg bedanken.


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